Archiv der Kategorie: Leben im Alter

Ein interessanter Abend: Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, Betreuungsverfügung

„Wenn Sie nicht mehr entscheiden können, werden andere Personen für Sie entscheiden.“

Was viele nicht wissen: Auch Ehepartner oder Kinder sind im Ernstfall nur dann berechtigt für Sie zu entscheiden, wenn sie vorher bevollmächtigt wurden oder wenn sie gerichtlich bestellte Betreuer sind.  Wie das geht und worauf es dabei ankommt, erläuterte die Sozialwissenschaftlerin Kornelia Brill erläutert den aufmerksamen Zuhörern anhand vieler Beispiele.

Einige hatten sich bereits mit dem Thema beschäftigt und schon Vorsorge getroffen, für viele war das Thema noch „unbearbeitet“.
Für alle gilt: Was kann ich jetzt tun, damit im entscheidenden Fall jemand da ist, der das Richtige für mich entscheidet?

Hierzu erhielten wir viele Anregungen und Empfehlungen. Alle waren sich einig, dass das erst der Anfang ist. Jede/r muss für sich einen Weg finden und dies vor allem ausführlich mit den ihr/m nahestehenden Personen besprechen und klare Vereinbarungen treffen wer wann und für was Verantwortung übernehmen soll.

Mit viel Applaus für Frau Brill endete dieser sehr aufschlussreiche Abend und es wurde verabredet, dass wir uns bald wieder treffen, um uns über dieses Thema und die persönlichen Fortschritte auszutauschen.

Für den Einstieg:
Es gibt es viele Veröffentlichungen und Formularsätze.
Beispielsweise hat Frau Brill zusammen mit einer Kollegin  einen Notfallordner für die AWO erstellt  mit dem Vorteil: Die Struktur und der Aufbau sind übersichtlich, gut verständlich und praxiserprobt. Die Empfehlungen und Formulare sind weltanschaulich neutral und an die Vorschläge des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz angelehnt.

Und hier noch eine Leseempfehlung aus dem Teilnehmerkreis:
Mattias Thöns, Patient ohne Verfügung – Das Geschäft mit dem Lebensende

Barrierefreies Bauen muss nicht teuer sein – Ein Kostenvergleich

„Denn im Grunde könnten nahezu alle Wohnungen barrierefrei sein.“

Eine Studie der TERRAGON INVESTMENT GmbH aus Berlin in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund beleuchtet das Thema „Barrierefreies Bauen im Kostenvergleich“. Bei einer vorausschauenden Planung lassen sich erhebliche (Mehr-)Kosten von vorn herein vermeiden. Diese Vermeidung von (Mehr-)Kosten im Rahmen eines Bauvorhabens kann im günstigsten Fall dazu führen, das hohe Mehrkosten aufgrund von Barrierefreiheit erst gar nicht entstehen.

Die Studie zeigt anhand eines Beispiels auf, wo im Rahmen des Geschosswohnungsbaus (Neubau) Mehrkosten entstehen und wo nicht. Nicht alle Aspekte der Studie hinsichtlich der Barrierefreiheit werden sich in allen Bauvorhaben verwirklichen lassen. Die Studie bietet im Bedarfsfall dennoch für Wohnprojekte eine gute Argumentationshilfe, um eine größtmögliche Barrierefreiheit zu erzielen.

„Wichtig ist die Einsicht, dass es bei Barrierefreiheit nur sehr eingeschränkt eine zweite Chance gibt: Der intelligente Neubau ist der bessere und vor allem der sehr viel billigere Weg als spätere Umbaumaßnahmen. Ein reiches Land wie Deutschland sollte in der Lage sein, Qualität im Wohnungsbau zu realisieren, der Komfort für alle schafft und dabei den demografischen Anforderungen genügt.“

Alle Zitate aus der Studie.

Alles über Wohngeld in Düsseldorf

Wohnen kostet Geld – oft zu viel für den, der über geringe Einnahmen verfügt oder an einem teuren Standort wohnt. Deshalb leistet der Staat in solchen Fällen finanzielle Unterstützung.

8. März 2017 Wohngeld wird als Zuschuss für die Wohnkosten gezahlt. Wohnkosten können beispielsweise die Miete für Wohnraum oder die Lasten des Eigentums an selbst genutztem Wohnraum sein. Wer zum Kreis der Berechtigten gehört, hat einen Rechtsanspruch darauf. Zweck der Gewährung von Wohngeld ist es, ein angemessenes und familiengerechtes Wohnen wirtschaftlich zu sichern. Somit stellt Wohngeld ein wesentliches Element im Netz sozialer Leistungen dar.

Anträge können bei der örtlichen Wohngeldstelle der Stadtverwaltung gestellt werden, auch Antragsformulare gibt es dort. Hier unter diesem Link gibt es genauere Informationen – hier ist alles zu erfahren, was für die Antragstellung wichtig ist: http://www.wohngeld.org/antrag.html

Weitere Informationen und Tipps

Wohngeld können Mieterinnen und Mieter sowie Eigentümerinnen und Eigentümer von selbstgenutztem Eigentum erhalten, die bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschreiten und einen entsprechenden schriftlichen Antrag stellen. Berücksichtigt werden alle Personen, die in einem Haushalt zusammen wohnen und verwandt sind (Familienangehörige) oder in einer sonstigen Verantwortungs- und Einstehgemeinschaft leben. Es gibt keine einheitlichen Wohngeldbeträge, da das Wohngeld abhängig ist von:

  • der Anzahl der zu berücksichtigenden Haushaltsmitglieder,
  • der Höhe des anzurechnenden Haushaltseinkommens,
  • der Höhe der Miete bzw. Belastung (bei Eigentum).

Die Wohngeldzahlung beginnt am Ersten des Monats ab Antragstellung und wird in der Regel für 12 Monate bewilligt. Vom Wohngeld ausgeschlossen sind Personen, die folgende Leistungen erhalten oder beantragt haben, soweit in diesen Leistungen Kosten der Unterkunft enthalten sind:

  • Arbeitslosengeld II und Sozialgeld (SGB II),
  • Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (SGBXII),
  • verschiedene andere Sozialleistungen.

Ausnahme: Die vor genannten Leistungen werden ausschließlich als Darlehen gewährt. Ausgeschlossen sind auch alleinstehende Auszubildende oder Studierende, die dem Grunde nach Anspruch auf Ausbildungsförderung haben (dies ist in der Regel während der Erstausbildung der Fall).

Die Stadt Düsseldorf hat eine sehr informative Broschüre zusammen gestellt: https://www.duesseldorf.de/fileadmin/Amt64/wohnen/pdf/flyer_wohngeld2017.pdf

Auch Studierende, die selbst für ihr Einkommen aufkommen und BAFöG nur als Darlehen bekommen, haben ein Anrecht auf Wohngeld. Darüber informiert diese Broschüre: https://www.duesseldorf.de/fileadmin/files/wohnen/pdf/flyer_wohngeld_studenten.pdf

Im Internet stellt das auf den Seiten des Ministeriums für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr NRW einen Wohngeldrechner zur Verfügung. Hier lässt sich berechnen, ob und wenn ja, in welcher Höhe Wohngeld beziehbar sein könnte: www.wohngeldrechner.nrw.de

Auch gibt es eine umfassende Beratung bei der Wohngeldstelle des Wohnungsamtes, mitzubringen sind nur die aktuellen Einkommens- und Mietunterlagen, dann ermittelt die Wohngeldstelle anhand einer Proberechnung den möglichen Anspruch.

Ein Besuch in der Wohngeldstelle will geplant sein!

Weitere Informationen gibt es beim Amt für Wohnungswesen, Brinckmannstraße 5, 40225 Düsseldorf, Telefon 0 211.89-9 63 66, wohnungsamt@stadt.duesseldorf.de

„Wir leihen Ihnen ein Ohr“ – Altersschwerhörigkeit und kommunale Daseinsfürsorge

„Wir leihen Ihnen ein Ohr“

Unter diesem Motto will sich der Seniorenrat für Menschen mit Altersschwerhörigkeit in den Stadtbezirken engagieren. Eine „Stellungnahme zur Altersschwerhörigkeit in Düsseldorf“ wurde beschlossen und soll nach den Sommerferien in den Ausschuss für Gesundheit und Soziales des Rates der Landeshauptstadt Düsseldorf eingebracht werden. Der Seniorenrat folgte damit einem Antrag seines Arbeitskreises „Gesundheit und Pflege“ (AK GuP).

Mit einer Präsentation in der öffentlichen Seniorenratssitzung am 29. Juli 2016 richtete der Seniorenrat erneut den Blick auf ältere Menschen, die nicht mehr gut hören können. Mit den Beschlüssen will der Seniorenrat das Thema Altersschwerhörigkeit zum Gegenstand von öffentlichen Überlegungen und kommunaler Daseinsfürsorge machen. Es könne nicht allein der Anstrengung der alternden Menschen überlassen bleiben, wie sie mit ihrem eingeschränkten Hörvermögen fertig werden. Sie haben ebenso ein Recht auf Barrierefreiheit und gesellschaftliche Teilhabe nach der UN-Behindertenrechtskonvention wie andere Menschen mit einem Handicap, verdeutlichte Marlene Utke, Sprecherin des Arbeitskreises GuP.

Im November 2014 hatte Frau Ott als Ratsmiglied im Ausschuss für Gesundheit und Soziales den Impuls gegeben, sich mit dem Thema Altersschwerhörigkeit zu beschäftigen. „Bis dahin hatten wir das nicht im Blick. Es wurde scheinbar individuell bewältigt“, bekennt Marlene Utke. „Jetzt haben wir uns über viele Monate dieses Thema gemeinsam erarbeitet und wollen es jetzt auch gemeinsam voran bringen. Deshalb freuen wir uns, die Stellungnahme am 24. August im Ausschuss für Gesundheit und Soziales einzubringen.“

Mit hiesigen Expertinnen und Experten für Schwerhörigkeit wurde errechnet, dass in Düsseldorf wahrscheinlich rund 60.000 Menschen von Altersschwerhörigkeit betroffen sind.

Hören kann verlernt werden!

Die Experten warnen davor, sich zu spät für ein Hörgerät zu entschließen. Je länger man warte, desto schwieriger sei eine angenehme Anpassung. Zusätzliches Hörtraining und Absehkurse (früher „Lippenablesen“) würden erforderlich, weil sonst der Nutzen eines Hörgerätes begrenzt bliebe.

MIt Sorge sieht der Seniorenrat die Gefahr des sozialen Rückzugs, „weil man ja doch nichts richtig mitbekommt“ und die Entwicklung verfrühter Hilfebedürftigkeit. Der Seniorenrat verweist auf den großen Aufklärungsbedarf, der nicht allein durch Ohrenärzte und Hörgeräteakustiker bewältigt werden kann.

Die Broschüren der Landeshauptstadt, die z.B. in den zentren plus ausliegen, helfen derzeit den von „Presbyakusis“ Betroffenen kaum weiter. (Presbyakusis ist der medizinische Diagnose-Begriff für Altersschwerhörigkeit.) Die Verbreitung der Infoblätter des Deutschen Schwerhörigenbundes (DSB) und der Evangelischen Schwerhörigenfürsorge ist äußerst begrenzt. Die in zentraler Stadtlage befindliche Sozialberatungsstelle für Gehörlose und Schwerhörige sowie das Projekt Beethoven werden vor allem von Personen mit sehr starker Höreinschränkung, gebärdensprachlich orientierte Schwerhörige und Gehörlose aufgesucht.

Der Seniorenrat wünscht sich deshalb, dass die gewonnenen Erkenntnisse bei der offenen und stationären Altenhilfe zeitnah berücksichtigt werden, insbesondere in den „zentren plus“. beispielsweise  durch der Fortbildungsangebote für in der Altenhilfe tätige Menschen, durch konsequente Verwendung von Mikrofonen  und Sprachverstärkeranlagen sowie den Einbau von Induktionsanlagen. Schwerhörige mit einer T-Spule im Hörgerät können in Räumen mit Induktionsanlage dem Gesprochenen unbehindert folgen. Hier wäre eine Fachkraft mit einer Zusatzqualifikation als Audiotherapeut/in für ratsuchende Bürgerinnen und Bürgern wie auch für Haupt- und Ehrenamtliche sehr hilfreich.

In den Arbeitskreissitzungen kamen jedes Mal neue Schilderungen und Erfahrungen mit Barrieren für Menschen mit Hörbehinderung auf den Tisch. „Wir haben die Puzzleteile nach Dezernaten sortiert und können deshalb aufzeigen, wo und wie Politik und Verwaltung im Sinne der Satzung zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen der Landeshauptstadt Düsseldorf handeln können. Dafür haben wir Ziele und Maßnahmen formuliert“, so ein weiteres Mitglied des Seniorenrates. Die vorgeschlagenen Maßnahmen reichen von akustisch barrierefreien Empfangsschaltern und Beratungsräumen in Verwaltungsgebäuden, über die Ermittlung der realen Zahlen von Menschen mit Hörgeräten bis hin zu Kurs- und Sportangeboten für schwerhörige Menschen sowie einem internationalen Stadtplan für Hörbehinderte.

Ulrike Schneider, stellvertretende Vorsitzende des Seniorenrates: „Wir sind stolz, heute dieses Arbeitsergebnis präsentieren zu können und ich weiß, einige haben in ihren Stadtteilen schon mit der Umsetzung begonnen. Auch im Namen des Vorsitzenden kann ich sagen: Wenn wir als Sprachrohr der älteren Generation bei der Stadtspitze Gehör finden und die Inklusion von Menschen mit Hörbehinderung aufgrund unserer Initiative von dort aus intensiv vorangetrieben wird, hat der Seniorenrat einen wunderbaren Beitrag zum Abbau von akustischen Barrieren und der Verwirklichung der UN-Behindertenrechtskonvention eingeleitet“.

Weitere Information:
Stellungnahme zur Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) in Düsseldorf und Beiträge zur Entwicklung einer barrierefreien Kommune

Kontakt:
Marlene Utke, Seniorenrätin für den Stadtbezirk 1
Sprecherin des Arbeitskreises Gesundheit und Pflege
Telefon 0211 48 21 07

Barrierefreiheit – Teilhabe und Teilnahme am gesellschaftlichen Leben für ALLE im Quartier

Von Peter Baaken

Als Verein setzen wir uns konsequent für die barrierefreie Gestaltung aller Wohnungen und der Wohnumgebung ein, damit inklusives und selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung und im Quartier möglich wird. Nur durch die konsequente Umsetzung umfassender Barrierefreiheit in der Praxis ist für ALLE die eigenständige und uneingeschränkte Teilnahme und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben möglich.

Der Begriff der Barrierefreiheit ist dabei von zentraler Bedeutung.

Was bedeutet barrierefrei?

Barrierefrei sind, vereinfacht gesagt, bauliche Anlagen, wenn sie für Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen, alte Menschen und Personen mit Kleinkindern in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind.

Dabei sind die einschlägigen DIN-Normen als anerkannte Regeln der Technik zu beachten:
DIN 18040-1
Barrierefreies Bauen – Öffentlich zugängliche Gebäude
DIN 18040-2
Barrierefreies Bauen – Wohnungen
DIN 18040-3
Barrierefreies Bauen – Öffentlicher Verkehrs- und Freiraum

Die Begriffe „rollstuhlgerecht“ und „behindertengerecht“ sind heute nicht mehr zielführend, da sie im Gegensatz zum Begriff „barrierefrei“, nicht allumfassend sind, sondern lediglich Maßnahmen (z. B. rollstuhlgerechte Wohnung für Rollstuhlfahrer) für einzelne Personengruppen (hier: Rollstuhlfahrer und Menschen mit Behinderung) beschreiben bzw. beinhalten.

Barrierefreiheit ist nicht umsonst

Sicherlich können Mehrkosten bei der Umsetzung der Barrierefreiheit entstehen. Sie lassen sich auf ein Minimum reduzieren, wenn dieser Aspekt von vornherein bei der Planung und Bauausführung berücksichtigt wird. Darüber hinaus gibt es für Investoren vielfältige Fördermöglichkeiten des Bundes, des Landes und der Kommunen.

Für die Gesellschaft kann sich der Mehraufwand schnell lohnen, z. B. wenn Menschen mit Behinderung, Menschen mit fortschreitenden Krankheitsverläufen oder zunehmender Pflegebedürftigkeit viel länger in Ihren barrierefreien Wohnungen bzw. im Quartier bleiben können, bevor die Aufnahme in stationäre Einrichtungen notwendig wird. Das entlastet die Träger der Sozialversicherung und der Sozialhilfe finanziell und organisatorisch.

 Für Investoren und Vermieter ist interessant, dass sich barrierefreie Wohnungen in einem ebenfalls barrierefreien Wohnumfeld besser und schneller verkaufen oder vermieten lassen.

 Fazit

Bei öffentlich geförderten Mietwohnungen besteht für den Investor, aufgrund der geltenden Förderrichtlinien, die Verpflichtung barrierefreie Wohnungen zu bauen. Ausnahmen hiervon sind aber auch hier nicht ganz ausgeschlossen! Für freifinanzierte Miet- bzw. Eigentumswohnungen gibt es nur eine sehr eingeschränkte Pflicht barrierefreie Wohnungen zu bauen.

Überzeugungsarbeit durch unseren Verein bzw. durch Einzelpersonen gegenüber den Akteuren (Investoren, Architekten, Stadt, Land etc.) ist weiterhin notwendig, damit genügend barrierefreie Wohnungen entstehen. Das gilt auch für die barrierefreie Gestaltung der Wohnumgebung.

Weiterführende Links